⚡ Das Wichtigste in 60 Sekunden
- Desk Sharing heißt: weniger Arbeitsplätze als Beschäftigte, dafür flexible Nutzung. Verbreitet sind 7 bis 8 Plätze für 10 Personen.
- Die Entscheidung für das Modell brauchst du nicht mit dem Betriebsrat zu verhandeln. Die Spielregeln drumherum schon.
- Der häufigste Grund für Ablehnung ist kein fehlender Schreibtisch, sondern ein fehlender Ort für Telefonate.
- Ohne Schließfach, Rückzugsort und schriftliche Regeln kippt die Stimmung schon im ersten Monat.
- Wer Fläche einspart, gibt am besten sichtbar etwas zurück. Ein Essenszuschuss funktioniert auch an Homeoffice-Tagen.
Inhaltsverzeichnis
Was ist Desk Sharing?
Desk Sharing ist ein Bürokonzept, bei dem Beschäftigte keinen fest zugewiesenen Schreibtisch haben, sondern sich zum Arbeitsbeginn einen freien Platz nehmen. Das Unternehmen stellt dabei bewusst weniger Arbeitsplätze bereit, als es Beschäftigte gibt. Du findest den Begriff auch als Desksharing in einem Wort, gemeint ist dasselbe.
Der Auslöser ist fast immer dieselbe Beobachtung: Die Hälfte der Schreibtische steht leer, die Miete läuft trotzdem weiter. Das ifo Institut sieht den Homeoffice-Anteil seit Jahren stabil bei rund einem Viertel aller Beschäftigten, im August 2026 waren es 24,9 Prozent. Im Dienstleistungssektor liegt der Wert mit 35,1 Prozent deutlich höher. Für Unternehmen mit Bürofläche heißt das: Ein Teil der Plätze ist dauerhaft unbelegt, und diese Lücke schließt sich nicht mehr von allein.
Desk Sharing ist deshalb kein Trendthema, sondern eine Reaktion auf eine stabile Realität. Interessant wird es dort, wo die Fläche nicht nur schrumpft, sondern anders genutzt wird.
Desk Sharing, Hot Desking und Shared Desk: wo liegt der Unterschied?
- Desk Sharing: der Oberbegriff. Geteilte Arbeitsplätze, meist mit Buchung oder festen Zonen je Team.
- Hot Desking: freie Platzwahl ohne Reservierung. Wer zuerst kommt, wählt zuerst.
- Shared Desk: im deutschen Sprachraum ein Synonym für Desk Sharing, häufig in Ausschreibungen und Stellenanzeigen.
- Activity Based Working: geht einen Schritt weiter. Nicht ein Platz für alles, sondern unterschiedliche Zonen je Tätigkeit.
Ist Desk Sharing rechtlich erlaubt?
Ja. Desk Sharing ist in Deutschland zulässig, solange der Arbeitsvertrag keinen festen Arbeitsplatz zusichert. Die Zuweisung des Arbeitsplatzes gehört zum Weisungsrecht des Arbeitgebers nach § 106 GewO. Prüf trotzdem die Verträge deines Bestandsteams: Eine ausdrückliche Zusage eines eigenen Büros bindet dich.Muss der Betriebsrat bei Desk Sharing mitbestimmen?
Bei der Entscheidung für Desk Sharing hat der Betriebsrat kein erzwingbares Mitbestimmungsrecht. Das Bundesarbeitsgericht hat das mit Beschluss vom 17. November 2021 (7 ABR 18/20) klargestellt: Wer den eigenen Schreibtisch aufgibt und sich morgens einen freien Platz sucht, bekommt dadurch keine andere Aufgabe. Damit liegt weder eine Versetzung nach § 99 Abs. 1 BetrVG noch eine Betriebsänderung nach § 111 BetrVG vor. Auch die Reduzierung der Anzahl an Büroarbeitsplätzen allein löst kein Mitbestimmungsrecht aus. Bei der Ausgestaltung sieht es anders aus. Relevante Beteiligungsrechte des Betriebsrats sind vor allem:- Regeln zum Verhalten im Betrieb, etwa eine Clean-Desk-Policy (§ 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG)
- Buchungs- und Auswertungstools, die Anwesenheit erfassen (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG)
- Maßnahmen des Gesundheitsschutzes, etwa Ergonomie und Gefährdungsbeurteilung (§ 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG)
- Die Informationspflicht bei der Planung von Räumen und Arbeitsplätzen (§ 90 BetrVG)
Jasmin Klepsch